Die Brutzeit ist um, die jungen Krähen sind flügge, doch die Klagen über eine Krähenplage in der Stadt hören nicht auf. Anwohner der Markgrafen- und der Franz-Josef-Baumgartnerstraße haben sich jetzt erneut an die Untere Naturschutzbehörde gewandt. "Geht Krähenschutz vor Bürgerschutz?", fragen sie in einem von 103 Krähengeplagten unterzeichneten Schreiben an das Landratsamt.

Doch der Landrat verweist sie an die Stadt. "Wir haben leider auch keine Lösung parat", bedauert deren Pressesprecherin Birgitta Weiher.

Nach Ansicht der Bürger nimmt die Zahl der Krähennester in der Stadt stark zu; sie nennen den Bereich der Markgrafenschule, des Zentrums für Psychiatrie und die Bäume an der Bahnlinie. Und während die Untere Naturschutzbehörde auf Zählungen des Naturschutzbundes hinweist, nach denen die Zahl der Nester in Emmendingen zurückgegangen sei, zählen die Anwohner allein in der Platane an der Kreuzung Markgrafen-/Luisenstraße "weit über 40 Nester"; im vergangenen Jahr seien es 37 gewesen. Nach Berechnungen der Bürger leben allein auf diesem Baum 150 Vögel. "Die Lebensqualität der Bürger im Süden der Innenstadt ist massiv beeinträchtigt", folgern sie, fühlen sich von den Behörden allein gelassen und von einer Stelle an die nächste verwiesen.

Von morgens halb fünf bis nachts um halb elf herrsche ohrenbetäubender Lärm, selbst bei geschlossenen Fenstern. Der Vogelkot häufe sich stellenweise zentimeterhoch, weder Autos noch Balkone oder Wäsche und Menschen blieben verschont. Gesundheitlich gefährdet seien die Kinder in den Grünanlagen. "Wir möchten keine Vergiftungs- oder Abschussaktionen erwirken", stellt Christian Kaiser klar. Doch sollten die zuständigen Behörden jetzt mit der Vergrämung beginnen, damit sich die Vögel in dünner besiedelte Bereiche zurückziehen. Im Landratsamt werden die Chancen aber als gering eingeschätzt, die Vögel zu verdrängen. Denn Rabenvögel seien sehr lernfähig, weshalb glitzernde CDs, Katzenaugen, Windräder, Rasseln oder das Abspielen von Rufen von Habicht oder Wanderfalke nur kurzfristige Erfolge zeige.

In einem Schreiben an die Anwohner nennt Landrat Hanno Hurth die aktuellen Nabu-Zahlen. Danach ist die Zahl der brütenden Krähen eigentlich gesunken, von 522 Nestern im Jahr 2009 über 450 im Jahr 2010 auf 442 im laufenden Jahr. Doch im Stadtgebiet wurden es mehr: Hier stieg die Zahl im gleichen Zeitraum von 193 über 249 auf aktuell 278 Nester, was an Vergrämungsmaßnahmen im Psychiatriezentrum liegen könnte; im dortigen Park hatten sich ungewöhnliche viele Saatkrähen eingenistet, für eine Klinik nicht unproblematisch. Die Nester in der Stadt befinden sich allerdings nach Einschätzung der Naturschutzbehörde zu 80 Prozent außerhalb von Wohngebieten, also beispielsweise an der Elz und im Bereich des Bauhofs.[...]

Emmendingen: Anwohner wehren sich gegen die Plage: Immer Ärger mit Krähen - badische-zeitung.de