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Vogelgerechtes Leben oder nicht?

Dies ist eine Diskussion über 'Vogelgerechtes Leben oder nicht?' im Die Rabenkrähe Forum. Teil der Rabenvögel Kategorie; Hallo zusammen, wir haben ein ähnliches Problem wie tassilo. Ich bin selber Tierärztin und habe im Sommer einen Raben in ...

  1. #1
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    Vogelgerechtes Leben oder nicht?

    Hallo zusammen, wir haben ein ähnliches Problem wie tassilo. Ich bin selber Tierärztin und habe im Sommer einen Raben in Pflege genommen, der seitdem bei uns in einem Außengehege lebt. Die Vorgeschichte: ein älteres Ehepaar hat ihn auf der Straße sitzend aufgelesen und ihn mit nach Hause genommen. Schon da konnte er wohl nicht richtig fliegen und auch seine Beine nicht richtig benutze. Zu allem Überfluß ist er bei den Leuten in der Küche in einen Topf mit kochend heißem Wasser geraten und hat sich Brust, Bauch und beide Ständer verbrüht. Die Brandwunden sind leider auch nicht richtig gut behandelt worden, so dass das Gewebe sehr hart und brüchig geworden ist, was dazu führte, dass das Abdomen entlang der Brandwunde aufbrach. In diesem Zustand habe ich ihn zum ersten Mal gesehen und wurde darum gebeten, ihn einzuschläfern. Weil sein Allgemeinbefinden noch sehr gut war und er aß und trank und offensichtlich auch keine allzu starken Schmerzen hatte, habe ich das nicht getan. Ich habe ihn dreimal chirurgisch versorgt, was er auch sehr gut weggesteckt hat. Inzwischen sind die Brandwunden gut verheilt und es wachsen teilweise sogar Federn in diesen Bereichen. Schon von Beginn an hat er aber immer mehr auf den Tarsalgelenken, als auf seinen Füßen gestanden, die Sprunggelenke sind beide sehr steif. Ob das nun eine Folge der Brandverletzungen oder eine angeborene Sache ist, kann ich im Nachhinein nicht mehr sagen. Die Sprunggelenke sind durch die Belastung stark verhornt und wir müssen sie regelmäßig reinigen, ähnlich wie tassilo das beschrieben hat. Er frisst und trinkt sehr gut, einkoten ist kein Problem, das hat er gut raus. Die Flügel sind beide in Ordnung, haben auch versucht, mit ihm fliegen zu üben, aber weil er die Beine nicht anziehen kann, schafft er es nicht mit dem Fliegen. Er sitzt also auf dem Boden und bewegt sich hüpfend auf den Tarsalgelenken mit Hilfe der Flügel weiter. Die Schwanzfedern sind weitestgehend abgebrochen, wachsen aber auch wieder nach. Bereits Ende des Sommers hatten wir versucht, Gesellschaft für ihn zu finden, aber weil die Abheilung der Brandwunden zeitweise arg stagnierte, haben wir dann erst mal abgewartet. Ich frage mich nun jeden Tag, wenn ich vor seinem Gehege stehe, ob das ein vogelgerechtes Leben ist oder nicht. Habe auch mit einigen vogelversierten Kollegen über die Ursachen gesprochen, aber so richtig konnte niemand etwa sagen (Rachitis?, Insektizide, die zu neurologischen Ausfällen führen?). Eine Freundin an der Vogelklinik Gießen riet mir zum Einschläfern. Was meint ihr dazu? Gibt es ähnliche Erfahrungsberichte? Ist das Leben so lebenswert? Klappt eine Vergesellschaftung immer problemlos? Er bräuchte einen Partner, der ebenfalls auf dem Boden lebt. Wo kann ich einen Partner finden? Kann nicht sagen, ob es ein männliches oder weibliches Tier ist, äußere Merkmale gibt es meines Wissens nicht, oder? Habe bisher noch keine Feder eingeschickt. Würde mich über Meinungen und Hilfe freuen. DANKE!!!

  2. #2
    Moderator Avatar von Gaby
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    Hallo Arcade,

    den hat es ja richtig erwischt.

    Äußere Merkmale,nicht wirklich,höchstens noch am Gewicht.Was in seinem Fall durch das Kranksein verändert sein kann.

    Einschläfern oder nicht....

    Kriterium wäre ständige Schmerzen und wenn er keinen Lebenswillen mehr hätte.
    Er hat jetzt soviel durchgemacht und bewiesen das er Leben will.
    Ich denk das ein Partnervogel schon gefunden werden kann...


    LG gaby
    "If men had wings and bore black feathers, few of them would be clever enough to be crows" Rev. Henry Beecher 1810

  3. #3
    Erfahrener Benutzer Avatar von tassilo3001
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    da einen rat zu geben ist schwer
    bei meinem patienten ist es eben so das er gut frißt
    schon von a nach b kommt und mir die letzen tage öfters auf den teppich springt
    es ist eben die frage ob so ein tier lebenswille hat oder sein leben erduldet weil er es nicht besser kennt
    er muß eben auch gut unterkommen da er ja wohl auch nie in freiheit überleben kann
    stolzer nandu papa

  4. #4
    Supermoderatorin Avatar von Elstermama
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    Die Leidensgeschichte dieser Rabenkrähe trieb mir sehr schnell die Tränen in die Augen... hätte das ältere Ehepaar diesen Vogel doch nur sitzengelassen. Leider kann man die Uhr nicht zurückdrehen.

    Es gibt schon äußere Merkmale wie etwas dickerer Kopf beim Hahn oder singen; die präsentieren sich anders wie ich finde. Auch sind sie wie Gaby schon schrieb etwas schwerer. Sicher ist das aber nie. Da hilft nur eine Federanalyse, grad weil Dein Pflegling vorher nicht optimal versorgt wurde. Vermute daher stark, daß die Beine auch rachitisch sind.

    Ein Partnervogel muß nicht zwingend ebenfalls "auf dem Boden leben". Zu einem "Nichtflieger" würd ich jedoch raten.
    Auf unsere Regeln zur Vermittlung darf ich hinweisen. Auch wäre es praktisch, wenn Du Deinen Wohnort angeben würdest.

    Du und Dein Pflegling haben so gekämpft, umsonst sollte das doch nicht gewesen sein!
    LG Andrea

  5. #5
    Neuer Benutzer
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    Hallo, danke schon mal für die Antworten. Ich wohne im Großraum Bonn, zwischen Siebengebirge und Westerwald. Ich würde wenn auch einen Partner hinzunehmen wollen, aus der Hand gebe ich ihn nicht, weil ich glaube, einschätzen zu können über all die Wochen, wann es ihm schlechter geht und ggf. die Zeit gekommen ist, ihn zu erlösen. Ich entnehme Euren Antworten, daß ihr grundsätzlich denkt, daß er, da er es soweit geschafft hat, lieber weiterleben möchte. Bleiben kann er bei uns, daß ist nicht das Problem. Wie ist das denn aus Eurer Erfahrung mit der Zusammenführung? welche Geschlechterkombi sollte man anstreben? Ich dachte, es sei besser, einen Vogel dazuzunehmen, der auch nicht hoch sitzen kann, damit unser Rabe nicht den Kot von oben abbekommt.

  6. #6
    Moderator Avatar von Gaby
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    Welche Geschlechterkombi..das ist relativ.Man sagt ja in der Regel das gegengeschlechtliche Haltung besser ist,aber gerade Rabenvögel sorgen immer wieder für Überraschungen,entscheiden sich wohl auch auf Sympathiebasis .

    LG gaby
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  7. #7
    uros
    Gast
    So nun, armer armer Vogel, zur Sympathiebasis:es kommt drauf an wie tolerant,interessiert, aggressiv..usw.die Rk ist.
    inwieweit Du Zeit hast sie zu begleiten bei der Annäherung. Manche lieben sich vom ersten Moment an..andere denken..der ist krank..kaputt machen,der natürliche Trieb. Geschlechterbestimmung find ich nicht soo wichtig zumal es ja um Freundschaft geht.
    Rachitische Krähen...Mann weib zusammen.. in der Natur gehts nicht. In Gefangenschaft ..???

    Über Leben und Tod entscheiden kann ich nicht im Netz!!! Vondaher erübrigt sich diese Frage. Müsste den Vogel sehn. Partner:besser einer der auch nicht fliegen kann. Nicht wegen dem Kot sondern psychologisch.

    lg raija

  8. #8
    Erfahrener Benutzer Avatar von Rabenherz
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    Hallo Arcade,

    einen Artgenossen für Deinen kranken Schützling zu finden, wird hier wohl möglich sein(hoffentlich ) und es würde ihm sicher gut tun wenn es der" Richtige" ist
    Du kannst natürlich am Besten beurteilen, ob er zurechtkommt und wie er sich weiter entwickelt - nach dem was er alles ausgehalten hat und überlebt hat, würde ich sagen.....ER IST EIN KÄMPFER.

    Habe mit einer behinderten RK, rachitisch und ein Fuß fehlgestellt, die Erfahrung gemacht, daß sie trotz Behinderung Lebensfreude hatte.
    Sie lebte bei uns im Haus in der Veranda, speziell für sie eingerichtet- mit viel Kontakt zu uns,da sie keinen Partnervogel bei sich hatte.Damals gab es noch kein Rabenforum sonst hätte ich vielleicht einen Partner für ihn finden können.
    Ansonsten war sie bei gutem Wetter oft im Garten unterwegs, unter Beaufsichtigung!

    Eine andere flugunfähige RK wäre sicher ein geeigneter Kumpel für (hat Dein Pflegling einen Namen ?)
    Wünsch Euch viel Glück und hoffe Dein tapferer Rabengast kann noch viele Jahre bei Dir verbringen.

    LG Annette

  9. #9
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    Nach den jahrelangen Erfahrungen, die ich mit Wildvögeln und speziell Rabenvögeln gesammelt habe, muss ich dir dringend ans Herz legen, den Vogel einzuschläfern. Eine Krähe, die beidsetig nur noch auf den Sprunggeleknen hockt und keine erfolgreichen Flugversuche macht, sollte man nicht am Leben lassen, auch wenn sie noch frisst und ein Kämpfer zu sein scheint. Das ist auch bei bester Fürsorge und evtl. Gesellschaft von Artgenossen kein rabengerechtes Leben.
    Wenn nach so langer Zeit nach der Brandverletzung der Zustand immer noch derselbe ist, kann man auch nicht mehr damit rechnen, dass sich das jemals ändert.
    Ich schreibe das nicht leichtfertig, aber man kann und sollte einfach nicht jeden Vogel retten.
    LG Saskia

  10. #10
    Rumburak
    Gast
    Ich denke, man sollte nicht vorschnell über Leben und Tod entscheiden.

    Solange das Tier Lebenswillen hat und keine Schmerzen...

    Er ist halt behindert. Egal welche Behinderung ein Tier od. Mensch hat... sie lernen damit umzugehen. Ist es deshalb ein weniger lebenswertes Leben? Können und dürfen wir das beurteilen?

    Auch jahrelange Erfahrung kann nicht das Individium wiederspiegeln.

    Das Tier selbst zeigt uns, was zu tun ist.

    Einschläfern kann man immer... aber erstmal sollte man gegebene Chancen nutzen.

    Alles Gute für den kleinen Kämpfer!

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