Nach dem ich mich hier angemeldet habe, möchte ich Euch über unseren Zögling informieren.
Wie ich Euch schon berichtet habe, haben wir am Sonntag eine Rabenkrähe aufgelesen. Wir hatten ihn an einem Feldwegrand bei einer Fahradtour gesehen. Es saß hilflos auf dem Boden im hohen Gras und schreite uns an. Wir sind weiter gefahren ohne ihm größere Beachtung zu schenken, um damit evtl die Elterntiere nicht zu verstören.
Wir sind dann nach Haus gefahren und haben unser Auto geholt. Aus der Ferne haben wir ihn beobachtet. Was uns auffiel, war das in den Pappeln unter denen er saß kein Nest zu sehen war und auch in der Ümgebung von Krähen keine Spur war. Nach einer ganzen Weile bei Einbruch der Dämmerung, entschieden wir uns den kleinen Kerl mit zu nehmen. Denn bei uns in der Gegend gibt es eine Menge Füchse und von anderen Krähen war keine Spur, so das er wahrscheinlich die Nacht nicht allein überlebt hätte.
Nach dem Verhalten was er an den Tag legt, drängt sich mir langsam der Verdacht auf, das er schon einmal in Menschenhand war. Denn als ich ihn auflesen wollte, kam er gleich schreiend auf mich zugelaufen und setzte sich in meine Hand.
Der kleine Kerl hatte ganz stumpfes Gefieder. Es ist noch eine Mischung aus grauem Babypflaum und neuen Federn, die noch größten Teils in den Hülsen sind. Außerdem ist mir aufgefallen, das er Würmer hatte im Kot. (Reiskorngroße Weiße)
Könnte also sein das ihn die Eltern deshalb verstoßen haben, aber dann wäre sicher ein Nest in der Nähe gewesen? Oder das er irgendwo bei jemanden im Garten aus dem Nest gefallen ist und ihn dort ausgesetzt haben. Oder meine Vermutung das ihn vielleicht irgendjemand schon zu Hause hatte und mit ihm nicht klar gekommen ist. Oder eine Mischung aus allem-
Naja, am Sonntag konnte ich ihm nur noch einen Brei aus Haferflocken, Ei, Milch und Honig machen, was ich stocken lassen habe. Auf sowas ist man ja natürlich nicht vorbereitet. Dann haben wir ihn gewogen um dann beim Tierarzt die Wurmkur zu besorgen wegen der korrekten Dosierung. Was mir dabei auffiel ist, das er bei einer Größe von knapp 20cm ein gewicht von knapp 400gr hat. Ich finde dies ziemlich schwer für eine Rabenkrähe die ich auf vielleicht 3-4 Wochen alt schätze. Er macht auch nicht den Eindruck das er dick ist, sein Brustbein steht spürbar vor, was ja eher zu dünn wäre.
Am Montag haben wir dann für den kleinen Kerl eingekauft. Leider hatte Fressnapf nicht alles da was wir wollten und haben ihn erst einmal etwas "leichte" Kost angeboten. Also einen Brei aus aufgeweichtem Beofutter und lebenden Heimchen welche wir vorher in der Tiefkühltruhe betäubt haben. Dann ihm seine erste Dosis Panacur als Wurmkur verabreicht, was er nicht wirklich lustig fand, denn er hat mich dann ganz verächtlich angesehen und von mir weg gedreht. Er kam sich sicher veralbert vor von dem bitterem Zeug nach den leckeren Heimchen.
Gestern (Dienstag) haben wir sein restliches Futter für Ihn besorgt. Und natürlich das extra am Montag für ihn bestellte frische Rindertatar von unserem Metzger des Vertrauens. Ich habe ihm daraus einen Brei gemacht (könnt ja mal ein Statement geben ob ihr das ok findet) aus:
70% frisches Rindertatar
20% aufgeweichtes Beofutter
10% eingeweichte gequollene Bachkrebse
und eine gute Prise Calzium Grit
Das Zeug haut er rein wie nix, nachdem er die ersten Tage ein kein wirklich guter Esser war. (Vielleicht schlägt aber auch die Wurmkur an) Von der Pampe hat er von gestern Abend bis heute Mittag ca 200gr verputzt und zwischendurch noch ca. 10 wirklich fette Zophobas und ca. 15 mittlere Heimchen.
Nun fängt er auch an sich ausgiebig zu putzen und die Federn nehmen langsam glanz an. Er stellt sich hin und reckt und streckt sich. Die ersten 1,5 Tage hat er nur in seinem Nest gehockt was wir ihm gebaut haben und hat nur gelegen. Jetzt fängt er an sich auf den Rand zu setzen und beobachtet alles um ihn herum. Nachdem er da so ca. 15 Minuten aktiv war, legt er sich dann wieder ins Nest mit den Kopf zwischen den Flügeln und schläft wie ein Stein. Da lässt er sich auch durch nichts stören, ob die Tür auf und zu geht oder man ihn grault, wecken will weil er noch was trinken sollte ... wenn Jakob schläft, dann schläft er, außer ein leichtes Murmeln nach dem Motto laß mich in Ruhe ich penne ... aber bewegen tue ich mich nicht und schon garnicht mache ich die Augen auf.
Ich bin gespannt wie es mit dem Kameraden weiter geht. Am Wochenende wird wohl die Planung für eine Außenvoliere für ihn anstehen, denn ich bezweifle das er dieses Jahr noch fliegen lernt so richtig. Er hatte sich einige Federn derb abgestoßen aus denen er auch etwas geblutet hat. Die kaputten hat er sich selbst dann gestern aus dem Kleid gezogen gestern. Und ohne vollständiges Federkleid wird es etwas schwierig mit dem Fliegen glaub ich und ein neues gibt es doch erst nächstes Jahr meines Wissens. Oder was sagen hier die Experten?
Der Chonta



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