Hallo ihr Rabenfans,
vor einer Woche habe ich im Hof eine Krähe beobachtet, sie saß, während die Eltern um sie herumschwirrten, zwei Tage und Nächte schutzlos auf dem Boden. Ich musste dann doch mal nachschauen, was mit ihr los ist, und konnte das Tier ganz leicht greifen. Das linke Bein hing schlaff herunter. Die Brustknochen ragten spitz hervor. Die Eltern machten großen Lärm.
Zu Hause habe ich ihn dann gleich gestopft und Zuckerwasser gegeben. Der Schnabel ging nicht freiwillig auf und der Vogel hat sich natürlich gesträubt. Er blieb immer genau da hocken, wo ich ihn hingesetzt hatte. Also am nächsten Tag zum Tierarzt.
Der sagte was vom Nageln, aber dann doch nicht. Er wolle mich anrufen, wenn er einen Platz von Pflegekundigen für ihn findet, ansonsten töten oder Volierenhaltung lebenslänglich. Die Antwort war negativ, keine Pflegestelle frei.
Ich habe dann in einem Forum von einem anderen Arzt erfahren, der wohl in Vogelforen hochgelobt wurde. Natürlich hoffnungsvoll dorthin gefahren. Der Arzt sagte aber das Gleiche und dass es keine Pflegestellen für diese Art von Vögeln gibt. Im Gegenteil, es mussten sogar auf Grund eines Gesetzes (habe vergessen, welches) in einem Wildtierpark in der Nähe alle verletzten Wildkrähen getötet werden.
Ergebnis der Untersuchung per Abtasten: Verdickung am Kniegelenk, wahrscheinlich Bruch dort oder darüber, abgestorbene Nerven in den Zehen (Kneiftest). Ich solle den Vogel mit heimnehmen und noch eine Weile beobachten. Wenn keine Besserung, dann einschläfern, oder in einer Voliere halten.
In der Zwischenzeit haben wir jeden Tag den Vogel in eine Kiste gepackt und mit in den Garten genommen, damit er in der Wohnung nicht verdummt. Dort ist er mal hier und mal dorthingehoppelt, hat sich glaube ich wohlgefühlt, musste aber immer noch zwangsernährt werden. Er hat regelmäßig Unterricht in Selbstfressen und - trinken erhalten. Das beherrscht er jetzt mit Ach und Krach. Ist ja auch nicht einfach für ihn, mit gebrochenem Bein die korrekten Bewegungsabläufe durchzuführen.
Hier im Forum hat jemand geschrieben, ich glaube, es war Sven, dass es vergebene Liebesmühe ist, einen Vogel von einem Allgmeintierarzt behandeln zu lassen. Also habe ich gestern recherchiert und einen Facharzt 30 km von hier ausfindig gemacht.
Beim Telefonat machte ich vorsichtshalber deutlich, dass ich für alle Unkosten aufkäme, auch wenn es ein Fundvogel ist, ich wollte nicht, dass Geld ein Hindernisgrund für eine gründliche Untersuchung ist.
Der Arzt hat dann den Vogel geröntgt und bandagiert.
Diagnose: Ein gesplitterter Bruch oberhalb des Knies und eine Infektion mit Schwellung darunter.
Von toten Nerven in den Zehen war er nicht überzeugt. Er hat mir anhand eines Modells gezeigt, dass in diesem Fall durch die Schwellung die Bänder einen anderen Verlauf nehmen könnten, sie springen quasi seitlich weg, so dass die Zehen, die über die gleichen Bänder bewegt werden, bewegungsunfähig sind.
Wegen dem gesplitterten Bruch ist nageln nicht möglich. Er bat mich wöchentlich fünf bis sieben Wochen lang zum Verbandwechsel zu kommen, um den Verband jeweils neu anzupassen (wachsende Muskelmasse). Wenn die Krähe Glück hat, wächst der Bruch zusammen, muss dann aber mit den beiden anderen verbleibenden Gelenken zurechtkommen, wegen einer verbleibenden Steifigkeit. Der Arzt hat dann nicht viel für die Behandlung genommen. Am Telefon wurde ich gefragt, ob das Tier an den NaBu weitergegeben werden könne, aber wegen der Intensivpflege wahrscheinlich haben sie mir den Vogel wieder mitgegeben.
Heute morgen, noch bevor ich zum Tierarzt gefahren bin, war der Vogel ungewöhnlich munter. sprang mehr oder weniger geschickt auf den Ästen (mit einem Bein), die im Zimmer auf dem Boden liegen, herum, war neugierig, putze sich gründlich und fraß selbstständig, streckte und reckte sich, Konnte sogar erstmals sein schlaffes Bein leicht bewegen.
Nach dem Tierarztbesuch war er ein wenig traumatisiert, oder die Hitze hat ihm zu schaffen gemacht. Er ist inzwischen schwerer einzufangen, weil er seine Flügel einsetzt.
Nachts muss er leider in einer Kiste mit Handtüchern drin übernachten, da ihm ein Stuhl als Hochsitz nicht zusagte, und er sich zum Schlafen unter das Bett verkrümelte. Vielleicht war es ihm auch zu hell, unsere Wohnung ist nicht so riesig und wir gehen nicht früh zu Bett.
Aber jetzt wird's Zeit für mich, ich muss sehr früh raus. Ich habe Futter für den Vogel vorbereitet und mein Freund kümmert sich morgen um ihn, ich muss unvorhergesehen arbeiten, obwohl Urlaub.
Meine Mutter hat mir versprochen, meinem Freund unter die Arme zu greifen. Er mag den Kleinen zwar, aber das Fingerspitzengefühl für die Pflege fehlt ein wenig. Er kriegt nicht mit, wenn dem Vogel zu heiß ist, oder Wasser fehlt, oder findet die Mehlwürmer nicht und so weiter.
Sorry für die lange Story, aber die Woche war lang.
Good night!
Sabine



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