Wie alles anfing...
Mein Heimweg von der Uni führt mich jeden Tag an einer Reihe alter Pappeln vorbei.
Am Donnerstag vor drei Wochen ist mir ein Ästling aufgefallen, der zerzaust und unkoordiniert auf dem Fußweg herumgesprungen ist.
Ich hab mich etwa 20-30 Meter im Gebüsch versteckt, und beobachtet.
Resultat nach 3 Stunden:
3 Katzen und zwei Hunde, die den Jungvogel gerissen hätten ohne mein eingreifen, und weit und breit kein Altvogel der auch nur in die Nähe von seinem Jungen gekommen ist.
Es wurde langsam dunkel, und ich beschloß die junge Krähe mitzunehmen – die Pappeln sind einfach zu groß gewesen um hochzuklettern um das Nest zu suchen.
Man kann hier vermutlich schon denken dass ich den ersten Fehler gemacht habe -
Aber wer mir mit natürlicher Selektion in einem Wohngebiet in dem sich auf 1ha 5 Hunde und doppelt soviele Katzen befinden, kommt, stößt mit diesem Argument bei mir einfach nicht auf Verständniss.
Sämtliche Tierheime rieten mir den Ästling auszusetzen nachdem sie sich weigerten es aufzunehmen – es solle einfach sterben – klar, es hieß ja weder Fiffy, Muschi oder Hansi – Tierschutz zählt nur für Tiere die einen Bezug zum Menschen haben *seufzt*...
Nützliche Informationen zum Thema Aufzuchtstation oder Wildtierhilfe gab mir niemand.
Der Zoo bei uns in der Nähe meinte ich könne es vorbeibringen – es würde dort aber als Futter für andere dienen. Gleiche Aussage kam von einer Falknerei bei der ich es versucht hatte.
Nichtmal das Argument dass ich sämtliche Umkosten ohne weiteres decken würde, brachte mich weiter.
Ich war enorm frustriert und bin heute noch enttäuscht von unseren Tierschutz-Institutionen.
Der Jungvogel wurde im leeren Erdgeschoß von dem Reihenhaus meiner Eltern untergebracht. Die Zimmer waren frisch renoviert, standen also leer (ich hab viele Äste, Baumstümpfe etc. reingestellt) und die Tür in den Garten war immer offen.
Ich fütterte die Krähe im Garten wenn ich Zeit hatte aufzupassen. Hab das Insektenzeug (Würmer, Mehlwürmer, Käfer, Maden usw.) dann dort verteilt, sodass die Krähe das aufpicken lernte.
Habe es stehts vermieden das Jungtier zu berühren, oder viel mit ihm zu reden.
Vor rund 8-9 Tagen konnte die Krähe dann wegfliegen – welch eine Erleichterung.
Die aktuelle Situation....
Die Krähe ist Menschen gegenüber relativ scheu. Den einzigen den sie halbwegs in ihrer Nähe toleriert bin ich – und dann auch nur wenn sie was zum Fressen kriegt. Bei allen anderen sucht sie sofort das Weite.
Thema Futtern – und das eigentliche Problem....
Ich habe meine Zimmer im Dach – die Krähe kommt nun, seitdem sie richtig fliegen kann, immer vor`s Dachfenster und schreit solange bis ich ihr was gebe.
Heute hat sie um 6 Uhr früh angefangen und hat keine 5 Minuten pause gemacht – vor etwa einer halben Stunde hab ich sie dann satt gefüttert (ich steck mitten in den Prüfungsvorbereitungen – das pausenlose betteln der Krähe nervt beim lernen...)
Wenn sie satt ist fliegt sie weg – bin mir aber nicht sicher wohin genau – und kommt wieder wenn sie hunger hat.
Ich möchte es nicht als Haustier halten, das war nie beabsichtigt.
Ich mag Tiere, solange es keine reinen Haustiere sind, und hab mir deshalb bei der Krähe eingebildet dass sie eine Chance verdient hat. Der Plan war, dass sie nur solange betreut wird, bis sie allein über die Runden kommt, ohne dass sie zahm wird.
Jetzt hab ich aber die Befürchtung dass sie jedes mal kommen wird wenn sie hunger hat, und nur abhaut wenn sie auch satt ist – sie also abhängig von einer menschlichen Hand wird...
Besteht die Hoffnung dass sie sich irgendwann komplett alleine ernährt und nicht mehr kommt?
Wie bewerkstellige ich dies am besten?
Macht es jetzt überhaupt noch Sinn sie einzufangen und in einen Wildtierpark oder dergleichen zu bringen? Abgesehen davon, dass ich vermutlich ohne Betäubungsmittel garnicht die Chance hab, sie wieder einzufangen...
Ich will sie jetzt nicht loswerden, weil sie anstrengend ist – ich möcht einfach nur wissen was jetzt das beste ist, was getan werden kann.
Nachtrag...
Erstmal danke an diejenigen die bis jetzt durchgehalten haben.
Ich bin nicht stolz auf das was ich gemacht habe da ich vermutlich schon zuviele Fehler im Umgang mit diesem Wildtier gemacht habe – weshalb ich auch Kritik und Tadel in kauf nehme.
Allerdings ist mir, aber vorallem der Krähe, damit allein jetzt nicht geholfen. Falls es nicht zu spät ist aus ihr wieder ein „ganzes“ Wildtier zu machen, benötige ich jetzt (eigentlich schon von Anfang an...) genaue Anweisungen, und ich hoffe sehr dass mir der ein oder andere hilft.
Liebe Grüße,
David und die namenlose Krähe...



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LG Andrea

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