Da ich es schade fand, daß die hiesigen Krähen immer schon vom gegenüberliegenden Hausdach abhauen, wenn ich sie nur ansehe, kam ich eines Tages auf die Idee, ein paar Paranüsse auf das Geländer meines Balkons zu legen. Diese lagen dort einige Tage und dann waren sie plötzlich alle weg. Ich legte dann nochmal eine Nuss auf das Geländer und dazu mehrere auf den Boden des Balkons. Die waren dann sehr schnell verschwunden. Gesehen habe ich den oder die "Täter" nicht. Ab da wurden die Nüsse nur noch auf den Boden des Bakons gelegt, wo sie nach kurzer Verweildauer jeweils verschwanden.
Dann sah ich auch mal den Täter, der (leider(?)) keine Krähe, sondern eine Elster war, wie ich irrtümlich erstmal annahm (ja, es darf gelacht werden...). Meine Elster hatte gar nicht den typisch langen Schwanz, deswegen vermutete ich erstmal einen Jungvogel... Länglich suchte ich im Netz nach Elstern mit braunem Gefieder... die es aber gar nicht gibt oder höchstens als äußerst seltene Sonderform mit Genfehler wie ein Albino. Im Zuge dessen stieß ich aber irgendwann auf ein Foto eines Vogels, der genau so aussah wie mein Spochtzkammerad. Drunter stand "Garrulus glandarius" - und ab da war schnell klar, daß meine "Elster" ein Eichelhäher war.
Naja, die Nüsse (ich probierte inzwischen eine Nußkernmischung) wurden dann auch immer abgeholt, wenn ich im Zimmer war - und die Balkontür offenstand. Zudem wurde ich fast jedesmal mit einem "Garak" begrüßt, woraufhin ich mit "Hallo" oder "guten Morgen" antwortete... Der Ablauf war etwa:
1) Balkongeländer anfliegen und gucken ob ich da bin
2) "Garak!" - "Hallo"
3) Nüsse auf dem Balkonboden einsammlen
4) Abflug
Schließlich legte ich mal ein paar Nüsse ein paar cm innerhalb der Balkontür hin. Nach länglichem Zögern, bei dem die Nüsse vom Balkongeländer aus äußerst mistrauisch beäugt wurden, holte "Garak" diese auch aus meiner Wohnung. Inzwischen hüpkert er bis zu drei Meter in meine Wohnung rein, auch wenn ich am PC sitze. Dabei sehe ich förmlich den Rauch aus der Birne aufsteigen - es wohnen zwei Seelen in seiner Brust. Die Gier (oder der Mut?) obsiegt allerdings regelmäßig und die Nüsse werden geholt, besonders wenn es Haselnüsse sind.
Bewegen darf ich mich dabei natürlich nicht. Auch nicht sprechen. Einmal hatte ich es mit "na du" versucht, woraufhin ich Zeuge eines akrobatischen und äußerst schnellen Manövers wurde: Um 180 Grad drehen, abfliegen und sich mit einer sehr schnellen rechts-links-Kombination deutlich außerhalb des Balkon-Bereichs in Sicherheit bringen war eine Sache von weniger als einer Sekunde! Im Netz lese ich dauernd, die Jungs würden irgendwie "ungeschickt" fliegen. Kann so überhaupt nicht sein, im Gegenteil!
Inzwischen habe ich zwei mal Fotos gemacht:
- Eichelhäher (klick) -
Gestern durch die geschlossene Balkontür, aber die letzten 5 Fotos sind heute ohne Glas dazwischen entstanden. Leider ist die Qualität der Fotos äußerst mäßig; mehr gibt das Licht derzeit kaum her. Hier innerhalb der Wohnung kann ich keine Fotos machen; dazu ist zu wenig Licht vorhanden. Außerdem streßt das Klappern der Kamera den Vogel - macht es "klapp", ist er innert Sekundenbruchteilen verschwunden, kommt aber nach ein paar Minuten wieder. Solange Nüsse da sind, versteht sich.
Hier im Wohngebiet gibt es große und hohe Bäume "umzu". Da sitzen die Kameraden gerne. Es sind mindestens drei (vermutlich aber mehr), wovon mich mindestens zwei "besuchen". In die Wohnung kommt aber nur einer - der Größte und "dicklichste" - von denen. Der Bad Salzufler Stadtwald ist wenige hundert Meter Luftlinie entfernt.
Ein gewisser Teil der Aufmerksamkeit wird auch der "Außen-Absicherung" gewidmet. Ich konnte schon einmal sehen, warum... Garak hatte Nüsse geholt, flog ab, und wurde direkt von einer Elster (jaja... aber das war eine Elster... mit langem Schwanz...) verfolgt, die hier auf dem Dach auf der Lauer gelegen haben muß. Die Elster mag wohl auch Nüsse, ist aber nicht mutig genug, sich diese zu holen: Ich habe sie schon zwei mal gesehen, wie sie auf dem Balkongeländer landete, sich aber nichts vom Balkonboden holte, sondern abflog, sobald sie meiner gewahr wurde. Von mir aus ist sie gerne willkommen (ebenso wie die Raben, die ihr Verhalten derweil keinen Millimeter geändert haben), aber ich bin ihr wohl zu suspekt... ;) sind die Raben in der Nähe, kommen keine Eichelhäher. Gehe ich kurz auf den Balkon und sehe die Raben an, verschwinden diese und gleich darauf kommen die Eichelhäher... obwohl alles Rabenvögel, scheinen diese untereinander nicht gerade in tiefer Freundschaft einander zugetan zu sein...
Die Eichelhäher mögen die Nüsse in folgender Priorität:
1) Haselnüsse
2) Paranüsse und Erdnüsse (von mir nur "in Schale" gegeben)
3a) ... dann lieber nix und beleidigt wieder abfliegen
3b) ... später nochmal wiederkommen und gucken.
4) Cashewkerne und Mandeln (werden nur genommen wenn nix anderes da und die Gier inzwischen groß genug ist).
Walnusskerne werden vollständig verschmäht. Ebenso Bananenstückchen wie ein Stück Avocado oder eine Süß-Erbsenschote. Saure Äppel soll ich gefälligst selber essen, das woll'n die nicht. Nur Sekt, nix Selters.
Der "Kröckelkram" (Cashewkerne, Mandeln und erst recht Walnusskerne) wird erstmal liegengelassen. Da gibt es aber einen anderen Abnehmer: Eine Meise, die jedesmal so schön laut und dankbar flötet, wenn sie dergleichen ergattern kann. Kommt aber nicht oft, ist ihr wohl angesichts der "Großen" zu gefährlich...
Mengenmäßig ist der Spaß mehr durch meine finanziellen Mittel begrenzt; was da ist, wird mitgenommen. Wenn sie könnten, würden sie wohl Kiloweise täglich abschleppen (von Dämmerung zu Dämmerung). Schließlich ist deren Vorrats-anlege-Phase für den Winter... ich gebe aber nur ein dutzend Nüsse morgens und ein weiteres nachmittags.
Nun die Frage an die Fachleute: Das ganze Spektakel hat natürlich hohen Unterhaltungswert für mich und bereitet viel Freude, aber kann es den Kameraden schaden? Sollte ich die Nüsse lieber selber essen?



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