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Saatkrähen in Limburg/Hessen

Dies ist eine Diskussion über 'Saatkrähen in Limburg/Hessen' im Rabenvogel-Medien u. Sonstiges Forum. Teil der Rabenvögel Kategorie; Aaaalso, zunächst muss man die Ausgangssituation kennen. In Ascheberg lebt seit Urzeiten eine Kolonie, die einigermaßen stabil um 120 Brutpaare ...

  1. #11
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    Aaaalso, zunächst muss man die Ausgangssituation kennen.
    In Ascheberg lebt seit Urzeiten eine Kolonie, die einigermaßen stabil um 120 Brutpaare schwankt, im Wald am See. Unter der Kolonie hat man dann irgendwann einen Treppenweg zum See gebaut. Der wurde dann immer vom Dreck gereinigt, aber niemand hat etwas gesagt, auch die unmittelbaren Anwohner haben sich nie beschwert und die Kolonie auf Nachfrage als "unproblematisch" beurteilt.
    Dann hat die Beschwerde eines(EINES!!) Neubürgers, den der Krähendreck störte, zu der erstmaligen Befassung mit dem Thema durch die Gemeinde geführt.
    Irgendwann las ich im Ascheberger Käseblatt die Ankündigung des Geschäftsausschusses "Beratung über Schneisenschlag unter der Krähenkolonie.
    Wir waren sofort alarmiert.

    Neben dem Bürgermeister, der mir schnell geneigt war (nicht NUR aufgrund sachlicher Argumente, es gilt ja immer auch in gewisser Weise, sich "menschlich zu verkaufen" ), galt es auch, die Gemeindeversammlung zu überzeugen. Ich habe, gleich, nachdem die Causa "Schneise contra Kolonie" erstmals im Geschäftsauschuss verhandelt werden sollte, mich an den zuständigen Gemeindevertreter gewandt, der ein sehr intelligenter Kerl ist und sich gleich interessiert zeigte. Er hat dann empfohlen, dass ich in der kommenden Gemeindeversammlung mein Konzept vorstelle. Dort habe ich dann einen Kurzvortrag über Saatkrähen als solche gehalten ("Saatkrähen als 'gute Bürger' " mit Saatrkähen-Infos für jede Klientel: "sozial" für die SPD, "familiär" für die CDU, "geschäftig" für die freien Wähler... --> psychologisch durchkonzipiert das Ganze) und um Sympathie für die Tiere geworben. Dann habe ich mein Krähenpfad-Konzept dargelegt. Und mit angesetzten 400 Euro für Materialkosten + X Stunden ehrenamtlicher Arbeit war ich DEUTLICH günstiger als die Schneise. Wichtig war auch das Argument, dass durch Schlagen einer Schneise (die zudem total furchtbar ausgesehen hätte) sich das "Kotproblem"(um das es ja vordringlich ging) eher noch verschlimmert hätte. Außerdem habe ich mich des Zauberwortes "Tourismus" bedient und die EInrichtung eines Krähenpfades, deutschlandweit einmalig, als förderlich beschrieben (was sich jünst mehr und mehr bewahrheitet, jetzt haben wir es sogar in eine deutschlandweit veroffentlichte Tourismuszeitschrift mit Redaktionssitz in Berlin geschafft).
    Was auch immer den Ausschlag gegeben hat, SICHER auch das Geld, auf der übernächsten Sitzung wurde das Ganze mit nur einer Enthaltung, keiner Gegenstimme beschlossen. Wie du sagst: wäre die Schneise schon beschlossen gewesen, hätten wir wohl wenig ausrichten können. Aber da wir in der ersten Minute präsent waren, hatten wir Glück.
    Wie bereits geschildert, mussten wir uns einiger Gegenwehr aus der Bevölkerung stellen, aber die Gemeindevertreter waren von der Idee so hin und weg, dass die nichts mehr ausgemacht haben. Bei der Eröffnung, die wir groß aufgezogen haben (Krähenquiz mit großzügigsten Spenden aller Unternehmen vor Ort), kamen dann leider enttäuschend wenig Leute. Aber immerhin: auch keine Gegenwehr. Mag sich Schweigen um die Sache hüllen - uns ging es ja nicht um persönlichen RUhm, sondern um die Tiere.

    Ja, wer sind "wir"? Meine Helfer waren in erster Linie meine Familienmitglieder. Meine Mutter hat ganz ganz viel gemacht (v.a. Promotion, Werbung bei den Unternehmung, Organisation von Preisen fürs "Krähenfest"... ), mein Vater hat beim Bauen der Schilder geholfen und seine "Beziehungen" für günstiges Material genutzt.
    Außerdem wurden wir von einem Biologen unterstützt, der von unserem Projekt hörte und uns mit weiteren Informationen, Kontakten zu professionellen Photographen und Graphikern versorgt hat. Letztere haben dann über diese "Beziehungen" ihre Bilder weitaus günstiger abgegeben.

    Dadurch aber, dass die Tafeln v.a. "in Heimarbeit" entstanden sind, sind sie nicht so schick und professionell gemacht, wie Informationstafeln in Naturschutzgebieten oder so. Aber für die Rennovierung der Schilder in ein paar Jahren haben wir schon Unterstützungszusagen z.B. von der Akademie für Umwelt und Naturschutz in Kiel, die auch auf uns aufmerksam geworden ist.
    Wenn du mir deine eMail-Adresse schickst, schicke ich dir die pdf-Dateien der Tafeln.

  2. #12
    Supermoderatorin Avatar von Elstermama
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    WOW!!!!
    Mein Kompliment für den Einsatz. Hab mir doch vorgestellt, daß da mindestens 20 Helfer aktiv dabei waren und Ihr zieht das mit Deiner tollen Familie und einem Biologen fast alleine durch. Überreiche Dir grad in Gedanken einen riesigen Blumenstrauß! Blumensmiley ist aus.
    Meine E-Mail hast Du gleich.

    Als ich eben zu lesen anfing, schwoll mir der Kamm in Sekunden. Da zieht jemand sehenden Auges in die Nähe einer großen (wie ich finde) Saatkrähenkolonie und beschwert sich dann als Einziger. Das ist doch eine Unverschämtheit in meinen Augen.
    Auch wenn ich Rabenvögel sehr mag, höre ich auch die Rabenkrähen unter meinem Schlafzimmerfenster von früh bis spät rufen - und das sind/waren "meine". "Halt doch mal die Waffel" denk ich in der Früh ... Drum hätt ich schon Verständnis, wenn sich Anwohner über den Lärm oder den Dreck beschweren.

    Dein Vorbild macht hoffentlich Schule und ich wünsche Dir beim nächsten Projekt ebensoviel Erfolg!
    Bitte halt uns weiterhin auf dem Laufenden und ich denke, daß hier auch andere User gerne noch Fragen stellen werden.
    LG Andrea

  3. #13
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    VIelen Dank für das Kompliment!! Hätten nicht seit der ersten Stunde unseres Einsatzes unaufgefordert 6 Privatpersonen und 4 "offizielle Stellen" ihre Bewunderung und Zustimmung bekundet, wäre der Weg ein schwererer gewesen. So fühlte (und fühle) ich mich von Gleichgesinnten getragen und muss nicht daran verzweifeln, dass es nur Idioten auf der Welt gibt.

    Aber es hat mir viel gebracht: Die Erkenntnis, dass Engagement lohnt und dass ich überzeugen und etwas bewirken kann. Ich kann nur jeden ermutigen, sich einzubringen.
    Unabdingbar wichtig dabei: nicht emotional werden, stets sachlich (auch, wenn einem gerade die Galle überkocht), immer freundlich und immer mit einem psychologisch-analytischen Blick für die Beweggründe der Gegenseite, aber unbeirrbar im Ziel.

    Mein nächstes (krähenbezügliches) Projekt bezieht sich auf das hier: Ostfriesen-Zeitung: Nachrichten im Detail .

    Auf weitere Fragen freue ich mich. :-)

  4. #14
    Moderator Avatar von Gaby
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    "If men had wings and bore black feathers, few of them would be clever enough to be crows" Rev. Henry Beecher 1810

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