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Thema: Meine Hochzeit mit den Staren

  1. #1
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    Meine Hochzeit mit den Staren

    Es war so gegen halb acht, ziemlich früh fürs Wochenende aber irgendwie konnte ich die Nacht nicht gut schlafen.
    Die Planung meiner Hochzeit war in vollem Gang.

    Erklärend dazu muss ich sagen, ich war im Begriff in eine Akademiker-Familie einzuheiraten. Der Schwiegervater Anwalt,
    der Schwager Arzt, die Schwiegermutter (übrigerns wirklich ein Drache) Immobilienmaklerin, mein damaliger Mann gleichfalls
    Anwalt.
    Ich selbst komme aus einer einfachen Familie. Die Mutter Friseuse, der Vater Glasbläser, mein Bruder Automechaniker und ich
    selbst Hundetrainerin.
    Da klafften tiiiiefe Schluchten, sehr tiefe. Auch bei der Vorstellung wie man miteinander umzugehen hat lagen wir weit auseinander.
    Ich war immer der Meinung, wenn dich jemand fragt ob du Hunger hast, und du hast Hunger, dann sagt man ja. Ich war
    also die mit der Gabel im Handrücken, wenns Licht aus geht.
    Ein Frevel in den Augen meiner neuen Mitmenschen!

    Wenn es mir scheiße geht, ich mit fettigen Haaren und zerknautschtem Gesicht in Labber-Schlabber-Jogginghosen,
    am Wochende morgens um HALB NEUN, meiner Schwiegermutter die Tür öffne und sie mir sagt wie toll ich aussehe....dann fühle
    ich ich verarscht. Und (leider) haben mir meine Eltern zumindest einen gewissen Grundanstand vermittelt, sonst hätte ich
    die Tür nämlich einfach wieder zugeschlagen.
    Das war meine Situation kurz vor der Hochzeit. Tiefe Zweifel ob ich da hingehöre, mit meiner Tierliebe und meiner direkten ehrlichen
    Art. Für mich hatte diese ganze Umgebung etwas von Schlangengrube. Aber der Kerl in den ich mich verliebt hatte, der lies
    mich den Stress damals irgendwie ertragen.

    In diesem Zustand, unausgeschlafen, die halbe nacht grübelnd darüber ob ich mein Leben wirklich so weiter leben will, diesen letzen Schritt gehen will, schlurfte ich
    morgens zum Briefkasten. Vielleicht in der Hoffnung, das ein Brief darin liegt und mir irgendeine Entscheidung abnimmt.
    Und auf dem Boden, direkt an der Hauswand lagen zwei nackte Dinger. Also keiner kann behaupten, so ein kleiner, nackter Vogel sähe irgendwie
    ansprechend aus, oder spräche gar das so genannte Kindchenschema an. Nein, die Kerls sind pottenhässlich.
    Aber naja, es sind Lebewesen und sie brauchten mich.
    Ich konstruierte ihnen ein Nest, machte mich schlau wie man Stare aufzieht und wartete darauf, dass meine "bessere" Hälfte wach wurde
    um ihm mit meinem grandiosen Plan, kurz vor der Hochzeit, ein paar nackte, hässliche Dingern aufzuziehen, den sonnigen Frühlingsmorgen zu versüßen.

    Er kann mit Tieren nicht viel anfangen. Zu der Zeit als wir uns kennen lernten hatte ich drei American Staffs und er sagte für ihn wäre das eine einzige,
    bedróhliche und unberechenbare Masse gewesen. DAs legte sich dann aber mit der Zeit etwas.
    Wobei es Rückschläge gab. Als wir einmal einen gemeinsamen Spaziergang mit den Hunden hatten, wo viel gegraben wurde, auch mit dem Maul,
    wurde dann auf der Heimfahrt ins Auto gekotzt.
    Er sah mich entsetzt an..."die, die, die haben ins Auto gekotzt!"
    "Jap!" sagte ich.
    "Ja aber willst du nicht anhalten?".
    "Warum? Bis ich zuhause bin ist zumindest ein Großteil wieder aufgefressen. Jetzt müsste ich alles allein weg machen. Warum also sollte ich...."
    "HALT AAAAAN!!! schrie er....und kotzte im Auto sitzend aus der Tür.
    Sensibelchen!

    Ihr könnt euch also vorstellen, was ein Mann, der kein Staub oder Hundehaare, geschweige denn Vogelkacke mag oder wenigstens ohne "körperlich Schmerzen" toleriert,
    von meiner Idee, kurz vor unserer Trauung, zwei Staren-Babies aufzuziehen, hielt.
    Jap! Genau!
    Das war mir aber egal. Der Haussegen hing schief und das sicher nicht zum ersten Mal. Also was sollte es! :)

    Die Kleinen gediehen wunderbar, wurden frech und bekamen wenigstens ein paar Federn.
    Der Tag der Hochzeit kam, die beiden Kleinen "Romeo und Julia" (fand die Idee geil kitschig zur Hochzeit), kamen in einen KÄfig und
    wurden ins Auto geladen. Die Packung Würmer wurde nach Ankunft, in der gemieteten Burg, im Flaschenkühlschrank deponiert.
    Die Trauung wurde vollzogen und ich hatte meine Auszeiten bei meinen Staren im Auto, wenn ich sie fütterte, ...natürlich im Hochzeitskleid.
    Is klar was passieren musste oder? Genau, sie haben mir aufs weiße KLeidchen geschi***.
    Juhuuu! Bringt Glück dachte ich.
    Meine Schwiegermutter dachte etwas anderes, genau wie mein Mann.

    Just als ich mit dem Kackfleck aufm Kleid wieder in den Saal kam, kam die liebe, polnische Bedienung zu mir und fragte mich verschwörerisch. "Sagen Sie, ist das ein deutscher Brauch?"
    "Was soll ein deutscher Brauch sein", fragte ich verwirrt zurück.
    "Na, dass mit den Würmern im Kühlschrank?"
    "Nein, nein" erklärte ich ihr. "Ich ziehe gerade zwei Stare auf und die fressen nun mal Würmchen".
    Sie sah mich verständnislos an.
    "Apropos Stare," ich deutete auf den Schiss, "könnten sie mir helfen das wieder einigermaßen in Ordnung zu bringen?"

    Ich liiiiiebe Tiere! :D

    Nun Romeo und Julia wuchsen schnell und wurden flügge. DA man üben muss, was man können will, lies ich sie fliegen. Erst in unserem
    Haus und dann öffnete ich die Fenster. Sie flogen hinaus und wieder zurück und das über Tage. Ich fütterte sie am Fenster und irgendwann
    wollten sie auch draußen schlafen und kamen nicht mehr rein. Sie blieben aber beide bei mir und ich fütterte meine beiden Schätzchen am Fenster.

    Der Postbote hat schwer unter ihnen gelitten. Meine damaligen Hunde waren zu einem Postboten wesentlich freundlicher als ein paar Jungstare, die
    der Überzeugung waren, dass ein Fremder auf unserem Grundstück NICHTS! ABER AUCH GAR NICHTS! verloren hat. Sturzflug und Angriff
    mit Schnabel auf Kopf, macht Aua!
    Nur unsere Familie, die Hunde, Kinder und mein Ex-Mann wurden auf dem Grundstück toleriert.
    Was Gartenpartys sind, ist ihnen übrigens auch nicht wirklich klar gewesen.
    Und meine Schwiegermutter hat uns eine Weile nicht mehr besucht, nach dem der Kater in ihre Tasche gepullter
    und die Vögel ihren Kopf angegriffen hatten.
    Ne aber mal im Ernst, das ging zu der Zeit einfach nicht. Ich weiß nicht ob Stare im Allgemeinen so sind aber meine waren echte Terrier.
    Irgendwann haben sie sich einer Schar angeschlossen. DAs ist gut, ich weiß das aber es tat unglaublich weh als sie nicht mehr wieder kamen.
    Ich denke heute noch oft an sie. Sie zogen irgendwann mit ihren Artgenossen gen Süden und ich habe sie leider nie wieder gesehen.
    Aber die Zeit, die ich mit ihnen verbringen durfte und den Schiss aufs Hochzeitskleid, das werd ich genau wie die beiden selbst niemals vergessen.
    <3

  2. #2
    Moderator Avatar von Gaby
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    jap....geile Geschichte
    "If men had wings and bore black feathers, few of them would be clever enough to be crows" Rev. Henry Beecher 1810

  3. #3
    schreib ein Buch - übers Schwiegermonster, dem Sensibelgatten und den ganz und gar unsensiblen Tieren - ich würde es sofort kaufen!!!!!

  4. #4
    Erfahrener Benutzer Avatar von Krächzilein
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    Ich wusste gar nicht, dass Stare, noch dazu junge, so sehr auf ihrem Revier bestehen. Ich dachte, Postboten angreifen, das machen nur Krahs. Aber dem ist wohl nicht so. Wenigstens können Stare am Kiosk keine Zeitungen schreddern.

  5. #5
    Neuer Benutzer
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    Themenstarter
    Ich glaub kaum, dass das ein ganzes Buch füllt :D, das haben die gar nicht verdient :P

    - - - Aktualisiert - - -

    Ich habe das auch weder gewusst, noch schon mal gehört, dass Stare so agro drauf sind. Aber unsere waren es unglaublicher Weise, vielleicht ist das aber auch tatsächlich normal...oder es war die leicht agressive Stimmung, die über unserem Heim hing...keine Ahnung

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