Kluge Vögel
Die Kopfarbeiter
WDR
Dienstag, 17.10.2006
20.15 - 21.00 (45 min.)
Über zwei Jahre ist das Kamerateam um Volker Arzt und Immanuel Birmelin zu den Hochburgen der Vogelintelligenz gereist. In Regenwälder und Wüsten, in Universitätsinstitute - und zu Vogelliebhabern.
Mit Respekt, Witz und Bewunderung berichten die Autoren von geistigen Glanzleistungen, die man noch vor kurzem ins Reich der Fabel verwiesen hätte. Dabei erweisen sich Vergleichstests mit Schimpansen oder Kindergartenkindern als besonders überraschend und aufschlussreich. Die technische Intelligenz unter den Raben- und Papageienvögeln ist verblüffend. Sie öffnen schwere Mülleimerdeckel oder stellen mehrteilige Stocherwerkzeuge her. Doch nichts ist so kompliziert wie der Artgenosse. Können Vögel begreifen, was der andere tut? Können sie ihn nachahmen? Oder gar manipulieren und täuschen? Auch die soziale Intelligenz der Vögel übertrifft alle Erwartungen, und die Vogelforscher sind dabei, ihre Schützlinge mit neuen Augen zu sehen. Zum Beispiel Graudrosslinge in der Negevwüste. Gemeinsam vertreiben sie eine giftige Tigerschlange und praktizieren dabei eine raffinierte Rollenverteilung: Die einen provozieren und lenken die Schlange ab, während andere sie von hinten mit Schnabelhieben attackieren. Eine konzertierte Aktion, bei der die Schlange den Kürzeren zieht.
Oder Pinguine bei der Jagd. Gemeinsam treiben sie einen Sardinenschwarm zusammen, damit er nicht entkommt.
Solche Gemeinschaftsaktionen setzen voraus, dass man die eigene Rolle und die des andern einigermaßen durchschaut.Kooperation erfordert Kopfarbeit und ist auch bei uns Menschen alles andere als selbstverständlich: Der Versuch, im Kindergarten gemeinsam ein Tischtuch auszubreiten, endet im Chaos.
Sogar auf dem Gebiet des Denkens, einer Domäne des Homo sapiens, schneiden Dreijährige schlechter ab die Krähe Betty. Sie bleibt Sieger bei einem Stochertest, der vorausschauende Planung und überlegte Entscheidung verlangt.
Solche geistigen Leistungen scheinen in krassem Gegensatz zum Gehirn der Vögel zu stehen. Es besitzt nicht einmal eine Großhirnrinde, die bei uns und anderen Säugern als Sitz der Intelligenz angesehen wird. So galten Vögel lange Zeit als überwiegend instinktgesteuert und ziemlich unintelligent. Erst jetzt haben Biologen den Widerspruch um das Vogelgehirn lösen können und trauen ihm noch weitere Geistesblitze zu. Bei Elstern zum Beispiel. Die Rabenvögel, die gerne als Diebe und Räuber eingestuft werden, haben jüngst eine Art kognitiver Schallmauer durchbrochen. Tiere sind - von wenigen Ausnahmen abgesehen - nicht in der Lage, sich selbst im Spiegel zu erkennen. Die Vorstellung von einem eigenen Ich ist ihnen fremd. Doch die Elster Gerti an der Universität Bochum hat kürzlich den Spiegeltest bestanden - vor laufender Kamera. Sie reiht sich damit ein in die Riege der klügsten Säugetiere wie Delphine oder Menschenaffen. Vögel scheinen die neuen Überflieger in Sachen Intelligenz.



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