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Eine Saatkrähe auf dem Bayerischen Platz in Leipzig. Foto: L-IZ.de

Die Naturschutzverbände sind schon seit geraumer Zeit alarmiert. Seit einigen Jahren machen seltsame Jäger von sich reden, die in Tarnkleidung losziehen und Saatkrähen schießen. Der Vogel ist eigentlich geschützt. Aber einige Medien machen seit geraumer Zeit regelrecht mobil. Seit die MDR-Sendung „exakt“ das Thema aufgriff, gibt sich auch Leipzigs SPD-Fraktion alarmiert.

„Nachdem bereits seit einigen Jahren regionale und überregionale Medien von einer zunehmenden Krähenplage in Deutschlands Städten berichteten, brachte das MDR-Magazin EXAKT am 11. April dieses Jahres eine Sondersendung zum Thema ‚Krähenplage in Mitteldeutschland‘. Besonders die Saatkrähe hat sich in den letzten Jahren stark vermehrt“, meint die SPD-Fraktion, nachdem man dort diese Sendung gesehen hat.
„Mittlerweile leben fast 89.000 Brutpaare in Deutschland, ihr Bestand hat gerade in den Großstädten stark zugenommen. Durch Flurbereinigung, Abholzung und den Einsatz von Bioziden werden die ländlichen Lebensräume der Tiere nach und nach zerstört. In Städten finden die Vögel dagegen ein großes und breites Nahrungsangebot. Deshalb ziehen die Vögel in die Städte. Mit der Umsiedlung oder das Ausspritzen von Krähennestern durch die Feuerwehr, mittels ausgesetzter Raubvögel durch Falkner oder sogar durch Einsatz von Drohnen versucht man in anderen deutschen Städten der Situation Herr zu werden.“
In der Anfrage der Fraktion ist der Ton nicht weniger martialisch. Da erfährt man auch, welche Medien mit dem Thema Krähen so richtig auf Leserfang gehen: „,Krähenkrieg in Deutschlands Städten‘ titelte die Tageszeitung ‚Die Welt‘. ‚Krähen machen Städte unsicher‘, schrieb das Wochenmagazin ‚Stern‘.“
„Auch in Leipzig beschweren sich zunehmend Einwohner über massive Lärmbelästigung, besonders in den frühen Morgenstunden, sowie starke Verunreinigungen von Vogelkot auf Straßen, Fußwegen, abgestellten Autos und Fahrrädern. Besonders stark betroffen sind die Quartiere nahe an Parkanlagen, wie das Musikviertel am Clara-Park“, meint Stadtrat Heiko Oßwald, der den Wahlkreis in Leipzig Mitte für die SPD vertritt.
Und ergänzt: „Wir wollen daher von der Stadtverwaltung wissen, ob ihr das Problem bekannt ist, welche Stadtteile konkret betroffen sind und wie sich der Bestand der Saatkrähe in Leipzig entwickelt hat. Weiterhin interessiert uns, welche Möglichkeiten die Stadtverwaltung sieht, den betroffenen Anwohnern zu helfen. Gerade die starke Verunreinigung von Straßen und Fahrzeugen sowie der teilweise ohrenbetäubende Lärm in den Morgenstunden beeinträchtigt massiv das Lebensgefühl der betroffenen Anwohner.“

Im Winter auch ein guter Platz zum sicheren Übernachten: auf dem Dach des Uniklinikums. Foto: L-IZ.de
Im Winter auch ein guter Platz zum sicheren Übernachten: auf dem Dach des Uniklinikums. Foto: L-IZ.de

Dass es im Clara-Park und im Musikviertel (Lampestraße) beliebte Krähenbäume gibt, in denen sie schlafen, ist nicht neu.
Dass Leipzig eine „Krähenplage“ haben sollte, ist hingegen neu. Dass sie im Winter vermehrt in der Stadt sind, ist auch kein neues Thema. „Saatkrähen bilden größere Schwärme. In Leipzig überwintern nach Schätzungen rund 10.000 Saatkrähen. Ende Februar ziehen sie wieder in ihre Brutgebiete“, berichtet der NABU Leipzig. Ältere Leipziger kennen die großen Krähenschwärme, die regelmäßig im wärmeren und nahrungsreichen Stadtgebiet überwintern.
Neu sind die Stadtbewohner, die die Anwesenheit der Krähen als Störung empfinden. Was auch längst dazu führt, dass einige selbsternannte Jäger im Stadtgebiet auf Krähenjagd gehen. Ein Thema, mit dem der NABU Leipzig erst im Dezember zu tun bekam: „Nach Schüssen mitten in einem Wohngebiet, fallen Krähen tot vom Himmel – am 25. Dezember 2017 wurde der NABU Leipzig darüber informiert.
Die Wildvogelhilfe konnte am Ort des Geschehens den traurigen Verdacht bestätigen: Zwei Rabenkrähen hatten tödliche Schussverletzungen. Berichten zufolge lag am Tag zuvor bereits eine dritte tote Krähe auf der Straße. Ein Zeuge berichtet, dass einige Wochen früher nach lautem Knall zwei tote Tauben an gleicher Stelle gefunden wurden. NABU-Mitglieder haben die Polizei zum Tatort gerufen und wegen Verdachts einer Straftat Anzeige erstattet. Rabenkrähen sind nach Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützt!“
Da ist es schon verblüffend, dass die SPD-Fraktion unhinterfragt die Position von Bürgern übernimmt, denen die Anwesenheit der Krähen suspekt ist.
„Mittlerweile beschweren sich in den Wintermonaten auch immer mehr Bürger in Leipzig über diesen Lärm und Dreck, besonders im Musikviertel und in den Quartieren nah von Parkanlagen“, heißt es in der SPD-Anfrage. „Fahrzeuge, Gehwege und Straßen werden durch Vogelkot stark verschmutzt, in den Morgenstunden werden die Anwohner durch ohrenbetäubenden Lärm aus dem Schlaf gerissen.“
Gerade im Winter aber übernachten nun einmal tausende Krähen im Leipziger Stadtgebiet, die im Februar wieder weiterziehen. Das ist nicht neu. Neu aber ist die Aggression, mit der einige Bürger und einige Medien das Thema behandeln.

Beim Räubern im Winter in Leipzig. Foto: L-IZ.de
Beim Räubern im Winter in Leipzig. Foto: L-IZ.de

Wer beobachtet hier eigentlich wen? Saatkrähen sind ziemlich intelligente Tiere. Foto: L-IZ.de
Wer beobachtet hier eigentlich wen? Saatkrähen sind ziemlich intelligente Tiere. Foto: L-IZ.de

René Sievert vom NABU Leipzig erinnert daran, dass die gesetzlich besonders geschützte Saatkrähe als Brutvogel in Leipzig ausgestorben ist, unter anderem weil Anwohner der Brutkolonien die Tiere nachhaltig vertrieben haben. „Die bei uns überwinternden Saatkrähen bilden einen Großteil der verbliebenen europäischen Gesamtpopulation. Abwehrmaßnahmen wären ein extremer Verstoß gegen die Verantwortung für bedrohte Tierarten“, sagt er.
„Für regelmäßige Empörung sorgt, dass unsere Finken in den Überwinterungsgebieten gefangen und gegessen werden. Wir hingegen wollen die Krähen umbringen, weil sie uns stören? Im vergangenen Winter gab es bereits kriminelle Ausraster, die mit Schusswaffen illegal Krähen beschossen und dabei tödlich verletzt haben. Das passierte mitten in Wohngebieten, auch an einem Kindergarten.
Dem ‚Thema Tiere stören Menschen und werden deshalb umgebracht‘ widmeten wir auch einen Teil eines Diskussionsabends im Januar. Wir haben in den vergangenen Jahrhunderten im Verhältnis zur Natur leider nicht hinzugelernt, vielmehr rotten wir nach wie vor Tierarten aus und zerstören damit die biologische Vielfalt und unsere eigene Existenzgrundlage.
Krähen machen Lärm, in einer Großstadt, ernsthaft? Was ist denn mit dem Verkehrslärm, Fluglärm, Baulärm? Was unternimmt die SPD dagegen? Krähen verschmutzen unsere Autos? Das ist ja furchtbar! Ich dachte immer, Autos verschmutzen die Umwelt, machen uns krank und sind ein tödliches Risiko für Verkehrsteilnehmer.“
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