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Die Krähen sind bereits mit dem Herrichten ihrer Nester beschäftigt. (Bild: pst)

Einen Raubvogel kreisen lassen, Anti-Baby-Pillen verfüttern, Drohnen starten, tote Vögel oder glitzernde CDs zur Abschreckung in die Bäume hängen oder die Bäume gleich ganz fällen – die leidgeprüften Anwohner des Erikaparks und der Josef-Kistler-Straße in Germering hatten viele Ideen, um die beiden Krähenkolonien, die sich seit 2013 dort beständig erweitern, zu vertreiben. Oberbürgemeister Haas hatte die betroffenen Anlieger zu einem Krisengespräch eingeladen. Umweltbeauftragter der Stadt, Thomas Wieser und die Biologin Monika Sepp waren auch dabei, als sich die Gruppe in der Josef-Kistler-Straße traf. Auf den Bäumen beäugten die Krähen in und an ihren Nestern neugierig die Gruppe. Immer wieder ließen sie ihr raues Krächzen hören oder flogen im Schwarm kurz davon, um bald wieder zurück zu ihren Bäumen zu kommen. „Für die Krähen ist Germering das Paradies“, betonte Sepp.

Eigentlich wäre der ursprüngliche Lebensraum der Saat- und Rabenkrähen außerhalb der Wohnbebauung. Doch dort dürfen sie gejagt und geschossen werden. Das ist innerhalb der Stadtgrenzen verboten. Deswegen seien die Tiere in den sicheren Ort gezogen. Noch dazu, weil es hier leckere Nahrung in Form von Restmüll und weggeworfenen Nahrungsmitteln gibt und einige Bürger die Rabenvögel sogar füttern.

62 Nester im Erikapark
Das Ergebnis sind mittlerweile 62 Krähennester im Erikapark und auch in der Josef-Kistler-Straße sind die Bäume mit Nestern gefüllt. Die Anwohner müssen mit dem lautstarken Gekrächze von Morgengrauen bis zur Abenddämmerung leben. „Wir haben einen echten Leidensdruck“, betonte eine Frau. Abgesehen von der Geräuschkulisse würde die Umgebung verkotet und die Tiere würden Abfalltonnen plündern und den Unrat im Park verteilen. Die Nesträuber würden aber auch die Singvögel vertreiben. Früher habe sie verschiedene Meisenarten, Dompfaffen und Amseln an ihrem Vogelhäuschen gehabt, „jetzt kommt kein Singvogel mehr“, bedauerte eine Anwohnerin.

„Ich verstehe Ihre Sorgen“, betonte der Oberbürgermeister. Viel Hoffnung auf Besserung konnte er den Bürgern aber nicht machen. „Man kennt das Problem, aber es fehlt die Lösung“, erklärte er. Biologin Monika Sepp erklärte, dass Krähen, die vertrieben werden, sich dann einfach in der Nebenstraße wieder niederließen. In der Vergangenheit hätte die Stadt auch regelmäßig alte Krähennester und Äste entfernt, doch die Tiere sind ortstreu und würden einfach neue Nester bauen. In diesem Jahr hat die Stadt nichts geplant, da die bisherigen Maßnahmen nicht den gewünschten Erfolg gebracht hatten.

Splittersiedlungen in Puchheim
Immer wieder wurde die Stadt Puchheim als Beispiel dafür genannt, die Krähenplage in den Griff bekommen zu haben. Doch das bestritt die Biologin. Die Krähen seien nämlich nicht komplett vertrieben worden, sondern hätten sich in Splittersiedlungen über den ganzen Ort verteilt. „Man kann die Vögel nicht lenken und aus der Stadt vertreiben ist ganz schwer“, erklärte Sepp. Es sei in Puchheim auch ausprobiert worden, Netze über die Bäume zu spannen, damit die Krähen nicht zu den Ästen kommen. Doch die geschützten Tiere hätten sich in den Maschen verfangen und mussten gerettet werden, so Sepp. Erschwerend komme hinzu, dass die Tiere äußerst klug seien und viele Maßnahmen bald durchschauten.

Im Oktober Nester entfernen und im Januar einen Falkner beauftragen, dass er seinen Bussard oder Falken über die Krähenkolonien fliegen lässt, soll jetzt für das nächste Jahr überlegt werden. Wo die Krähen sich aber dann niederlassen, dass kann keiner voraussagen.

Parallel dazu wollen die Bürger Unterschriften sammeln, damit Gesetze geändert werden. Die Rabenvögel sollen außerhalb der Ortschaften nicht mehr gejagt werden dürfen, denn dann bräuchten die Tiere nicht mehr in die sichere Stadt ausweichen. Thomas Wieser hätte es am liebsten, wenn die Regierung von Oberbayern gemeinsam mit allen betroffenen Kommunen ein gemeinsames Konzept ausarbeitet.