Kolkraben waren 100 Jahre komplett ausgerottet

Erschienen im Soester Anzeiger am 23.11.2016

MÖHNESEE – Sie gehören zwar zu den Singvögeln, erfreuen aber kaum jemanden durch ihren Gesang. Die meisten sind obendrein kohlrabenschwarz. Gemeint sind die Rabenvögel, zu denen auch die Saatkrähen gehören, die gerade in Soest nur wenige Freunde haben . Naturgemäß scheint das „schwarze Gesindel“ schon seit jeher von vielen Menschen abgelehnt worden zu sein. Das gilt für die Rabenkrähen ebenso wie für die Saatkrähen und erst recht für die Kolkraben, die im Volksmund ohnehin oft „in einen Topf“ geworfen werden.

Die drei oft kurz als „Raben“ titulierten Arten mussten völlig grundlos beim Schimpfwort „Rabeneltern“ Pate stehen. Gleich mehrere verschiedene Völker machten sie in ihren Sagen und Märchen zu Unglücksvögeln, die Seuchen und Kriege prophezeien. Im christlichen Umfeld symbolisierten Rabenvögel oft die Ungläubigen oder die Abtrünnigen. Andererseits besitzt in der nordischen Mythologie Odin zwei Raben, die ihm Kunde von allem bringen, was aktuell auf der Welt vor sich geht.

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Quelle: de.wikipedia.org

Wie sehr unsere Vorfahren vor allem den Kolkraben, den größten der drei insgesamt schwarzen Rabenvögel hassten, zeigt die Tatsache, dass man die früher weit verbreitete Art gnadenlos verfolgte und sie vor 100 Jahren restlos ausrottete, und zwar im Münsterland ebenso wie im Sauerland. Die Schießgewehre und das Jagdrecht machten es möglich. Inzwischen genießen die stattlichen Vögel ganzjährigen Schutz.
Zum Glück haben einige Rabenpaare in Schleswig-Holstein und in den Alpen überlebt und sich wieder auch in Westfalen ausgebreitet, auch in den Arnsberger Wald. Geradezu begeistert wurde am vorletzten Wochenende ein Trupp von 15 Kolkraben von Naturfreunden kreisend über den Buchenwipfeln am Parkplatz Kreuzeiche beobachtet, und auch über Körbecke riefen schon einzelne dieser Rabenvögel, die deutlich größer als die Raben- und Saatkrähen sind. Grund genug zur Freude, dass nicht nur immer über aussterbende Tierarten berichtet werden muss. Als Gesundheitspolizist im Walde sorgt der Kolkrabe auch dafür, dass es tote Tiere im Walde kaum noch gibt. Erlegtes und in der Dunkelheit nicht mehr gefundenes Wild ist oft schon am nächsten Tag fortgeräumt. Die Sinnesschärfe und die Intelligenz der Rabenvögel – vor allem der Kolkraben – sind bewundernswert. St.
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