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Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)


Ein tödlicher Erreger befällt immer mehr Wildvögel. Das haben Wissenschaftler der Universität Gießen herausgefunden. Jeder kann helfen, die Verbreitung zu stoppen.

Bislang waren vor allem Tauben betroffen: Viele der als "Ratten der Lüfte" diskreditierten Tiere erkranken an der sogenannten Vogeltrichomonose. Doch inzwischen trifft die Krankheit längst nicht mehr nur Tauben, wie Wissenschaftler der Universität Gießen herausgefunden haben.

Der tödliche Erreger breitet sich in Hessen auch bei anderen Vogelarten aus: bei Eulen, bei Greifvögeln wie Rotmilan oder Sperber, bei Singvögeln wie Amsel oder Buchfink. Der Erreger vermehrt sich in den oberen Atemwegen der Tiere - und die Vögel sterben daran qualvoll.

Mehr als ein Drittel der Vögel befallen
Die Studie zeigte eine hohe Infektionsrate bei Wildvögeln: Mehr als ein Drittel der knapp 450 untersuchten Wildvögel leidet demnach an Trichomonose. Bei elf der 35 untersuchten Vogelarten entdeckten die Forscher die Krankheit. "Diese Befunde sind besorgniserregend", sagt Petra Quillfeldt vom Gießener Institut für Tierökologie und Spezielle Zoologie, "da in Deutschland bereits seit mehreren Jahren epidemische Ausbrüche von Trichomonosen beobachtet werden." Das könne "schwerwiegende negative Auswirkungen auf die Vogelpopulation" haben, warnt die Wissenschaftlerin.

Von den Eulen waren die meisten der Tiere, die die Forscher unter die Lupe nahmen, erkrankt - nämlich 58 Prozent. Erst an zweiter Stelle kamen mit 50 Prozent die verschiedenen Taubenarten. Von den Greifvögeln waren 36 Prozent der Tiere betroffen, von den Singvögeln 28 Prozent.

Übertragung von Schnabel zu Schnabel
Unter Taubenzüchtern ist der "Gelbe Knopf", wie die Krankheit auch genannt wird, schon seit Jahrzehnten bekannt. Da die Züchter ihre Tiere über eine Art Schluckimpfung gegen die Krankheit schützen, gibt es inzwischen weniger Fälle - zumindest bei den Zuchttieren. Dafür ist die derzeitige Verbreitung bei Wildvögeln alarmierend.

Übertragen wird die Krankheit von Schnabel zu Schnabel, zum Beispiel wenn Jungvögel gefüttert werden oder Vogel-Partner miteinander schnäbeln. Auch über Tränken oder Futterstellen kann sich der Erreger gut verbreiten. Da man Wildvögel nicht flächendeckend impfen kann, lasse sich gegen die Krankheit erst einmal nicht viel tun, sagt Quillfeldt. Klassischer Artenschutz könnte allerdings helfen, denn wenn die Tiere keinen Stress haben und ihr Allgemeinzustand gut ist, dann seien sie weniger anfällig für Krankheiten. Zudem beobachteten die Forscher, dass die Vögel zum Teil Resistenzen gegen Trichomonaden entwickeln.

Wasser in Tränken häufig wechseln
Helfen, die Ausbreitung der Krankheit einzudämmen, können Gartenbesitzer, die Vögeln Trinkschalen aufstellen. Die Wissenschaftler raten, das Wasser besonders bei warmem Wetter häufig zu wechseln. Denn über Vogeltränken kann sich die Trichomonose ansonsten gut verbreiten.

Sendung: hr4, 05.09.2018, 7.30 Uhr

Quelle: Eva Maria Roessler (hr-iNFO), hessenschau.de