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Drei Gedichte von Joachim Ringelnatz

Lumpi

Mitglied
Die Krähe

Die Krähe lacht. Die Krähe weiß,
Was hinter Vogelscheuchen steckt,
Und dass sie nicht wie Huhn mit Reis
Und Curry schmeckt.

Die Krähe schnupft. Die Krähe bleibt
Nicht gern in einer Nähe.
Dank ihrer Magensäure schreibt
Sie Runen. Jede Krähe.

Sie torkelt scheue Ironie,
Flieht souverän beschaulich.
Und wenn sie mich sieht, zwinkert sie
Mir zu, doch nie vertraulich.


Im dunklen Erdteil Afrika

Im dunklen Erdteil Afrika
Starb eine Ziehharmonika.

Sie wurde mit Musik begraben.
Am Grabe saßen zwanzig Raben.

Der Rabe Num'ro einundzwanzig
Fuhr mit dem Segelschiff nach Danzig

Und gründete dort etwas später
Ein Heim für kinderlose Väter.

Und die Moral von der Geschicht? –
Die weiß ich leider selber nicht.

Stille Winterstraße

Es heben sich vernebelt braun
Die Berge aus dem klaren Weiß,
Und aus dem Weiß ragt braun ein Zaun,
Steht eine Stange wie ein Steiß.
Ein Rabe fliegt, so schwarz und scharf,
Wie ihn kein Maler malen darf,

Wenn er's nicht etwa kann.
Ich stapse einsam durch den Schnee.
Vielleicht steht links im Busch ein Reh
Und denkt: Dort geht ein Mann.
 

Raben Vater

Neues Mitglied
Und mir sprießen Rabenfedern
Und so flieg ich unerkannt
Über Grenzen in das Leben
Wie der Wind schnell übers Land
Und ich breche alle Regeln
Um heut Nacht bei dir zu sein
Fühl mein Rabenherz, es schlägt so
Schnell und nur für dich allein

Schenk dir eine Rabenfeder
Unsrer Liebe Unterpfand
Denk an mich, ich komme wieder
Denk an mich, hältst du sie in der Hand
 
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