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Film: wie Brüder im Wind

Tanny

Aktives Mitglied
Hallo Lutinos,

Hallo!

hier ein making-of von dem Film:
.......
hier ein Post von 4-Pfoten:
.......
Wer will..... zur allgemeinen Diskussion darüber.........

lg, Lutinos
Also den Film zum "making of" konnte ich leider nicht schauen.
Datenvolumen und sehr langsame I-Net Verbindung erlauben mir kein Video schauen.

Zum Post von 4 Pfoten fiel mir spontan ein:

"Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen"

Dazu muss ich sicher einiges erklären ;)

Speziell zu diesem Film kann ich nichts sagen.

Ich kenne die Hintergründe nicht bzw. nur das, was ich dem Beitrag von 4 Pfoten entnommen habe.

Insofern sind die nächsten Ausführungen zum Verständnis meiner Reaktion eher allgemeiner Natur:

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Tiere, die in Gefangenschaft geboren wurden, in der Regel ein
mehr oder weniger grosses Vertrauensverhältnis zum Menschen aufbauen und die Anwesenheit des Menschen
per se für diese Tiere deutlich weniger oder gar kein Stress bedeutet.

Auf der anderen Seite bedeutet der Mensch für ein Wildtier, das Zeit seines Lebens keinen Kontakt zum Menschen hatte, Gefahr und damit seine Anwesenheit/Nähe immer Stress - dieser ist umso größer, je kürzer der Kontakt zum Menschen besteht.

z.B. wenn ich einen Pflegling aufnehme, fürchtet er mich zunächst.
Wenn er mich ein wenig kennengelernt hat, merkt dass ich ihm Nahrung gebe und helfe, baut sich die Furcht ein wenig ab und je nach Tierart, Alter und Beschwerde ist das mehr oder weniger der Fall.

Eines jedoch stelle ich bei allen Tieren fest - und da ist es irrelevant, ob es sich um Wild- oder Haustiere handelt:
Sie alle geraten, wenn sie sich ""in der Falle fühlen" je nach Tierart mehr oder weniger heftig unter Stress.

Um es mal beispielhaft zu machen:
Ein Wellensittich mag sich genau so wenig mit der Hand festhalten lassen, wie eine Schwalbe.
Der Wellensittich kommt aber durchaus freiwillig auf den Finger, lässt sich streicheln etc., wenn er seinen Menschen kennt, braucht aber das Gefühl, jederzeit weg zu können.

Die Wildschwalbe ohne Kontakt zum Menschen wird das nicht machen.

Die Handaufzuchtschwalbe, die draußen ihre ersten Ausflüge gemacht hat in Freiheit, kommt
aber auch freiwillig zurück auf den Finger - aber auch sie würde sich deswegen nicht festhalten/fixieren lassen ohne,
dass das Stress und Panik hervorruft.

Bei diesem Film scheint es, wenn ich den Bericht richtig lese, zumindest so zu sein, dass es sich um in Gefangenschaft mit menschlichem Kontakt geborene und aufgezogene Wildvögel handelt. Insofern werden sie zumindest denke ich, angesichts eines Menschen nicht einen halben Herzinfarkt erleiden.

Was ich denke, was darüber hinaus für das jeweilige Tier an Stress und Panik an so einem Filmset abläuft, kann
ich nicht beurteilen, ohne die Tiere in diesen Situationen selbst zu erleben.

4 Pfoten prangert diesen Film an mit dem Argument, die Vögel seien Wildtiere und verurteilen, dass sie für eine
Filmproduktion hergenommen werden.

Gleichzeitig habe ich hier in unserer Tageszeitung gerade einen einseitigen Aufmacher gesehen, wo 4 Pfoten der
hiesigen Wildtierstation stolz 100.000 Euro Spende (aus Spendengeldern) überreicht, um die Arbeit der Station zu fördern.

Diese Station ist seit Sommer fast wöchentlich in der hiesigen Zeitung mit halb oder ganzseitigen Aufmachern.
Immer ist ein großes Foto dabei, wo eines, der aktuellen Findlingstiere - bevorzugt irgendetwas Spektakuläres - unter den Arm eines Pflegers oder auf seiner Hand fixiert - abgebildet ist.

Nur zwei Beispiele (von vielen):
Im Sommer ein erwachsener Bussard. Er wurde aus einem Stacheldraht geschnitten, in den er sich mit seinem
Flügel verfangen hatte und wo er schon so lange drin gehangen haben muss, dass bereits Maden in der Wunde waren.
Der Finder hat den Bussard mit einer Zange aus dem Draht geschnitten und zur Station gebracht.

Einige Tage später prangte ein großes, buntes Foto von dem Stationsbetreiber in der Zeitung, der den Bussard
draußen vor idyllischem Hintergrund unter den Arm geklemmt hielt mit einem herzerweichenden Bericht über das
Schicksal des armen Vogels und die tollen Leistungen dieser Station.

Einige Tage später ist dieser Vogel laut Aussage des ursprünglichen Finders, der in einem hiesigen Naturschutzverein Vorsitzender ist und über profunde ornithologische Kenntnisse verfügt, wegen der Schwere seiner Verletzungen eingeschläfert worden.

Dieser Vogel hat für die Fotosession mit Sicherheit nicht nur unendliche Panik gehabt, weil er von einem Menschen unter dem Arm fixiert gehalten wurde, er muss auch nicht unerhebliche Schmerzen gehabt haben.

Vor ein paar Tagen in der Zeitung:
Selbe Station, Foto einer Schleiereule, die mit den Krallen zwischen den Fingern eines Pflegers festgeklemmt, ebenfalls draußen vor idyllischer Kulisse gottergeben ins Blitzlicht blinzelt. Dem Text entnahm man:
sie wurde "gerade erst" gebracht und ist vermutlich gegen ein Fenster geflogen - eventuell Gehirnerschütterung.

Wir alle hier wissen, wie unsicher es ist, einen Vogel mit Verdacht auf Gehirnverletzungen überhaupt durch zu bekommen.
Die größte Chance besteht, wenn der Vogel absolut ruhig, abgedunkelt und bewegungsarm - also möglichst fern von sämtlichen Sinneseinflüssen, untergebracht wird, damit das Gehirn heilen kann.

Schleiereulen haben zudem sowieso auch im gesunden Zustand als nachtaktive Vögel Probleme mit hellem Licht.
Ein solcher Vogel wird nun nur für die PR hergenommen und all den stressauslösenden Einflüssen rund um eine Fotosession an einem sonnigen, hellichten Tag draußen plus der Panik vor dem Menschen ausgesetzt......

....das alles, weil sich mit herzerweichenden Fotos gut Spendengelder eintreiben lassen und diese Station einen oder ein paar Zeitungsberichte zuvor - oder sogar im selben - weiß ich nicht mehr genau - deutlich machte, dass sie sich um größere finanzielle Unterstützung durch das Land Schleswig Holstein bemühen will und zu diesem Zweck mit unserem Umweltminister Harbeck Kontakt aufnehmen will.

Ich habe mich bei all den Pressegeschichten diesen Sommer immer wieder gefragt, was hier eigentlich im Vordergrund steht:
die Sorge um das verletzte Wildtier oder die Möglichkeit, mittels Öffentlichkeitsarbeit Geld einzutreiben.

Ich meine, ich rede hier nicht von einem Einzelfall:
ich rede davon, dass das in der Station System zu haben scheint.

Diese Eule und dieser Bussartd haben mit Sicherheit nicht weniger "gelitten" - und zwar überflüssigerweise - für eine PR!!!!, als die unverletzten, in Gefangenschaft geborenen Greifvögel am Filmset.

Wieso prangert 4 Pfoten das eine an und fördert das andere mit 100.000 Euro???

Wird hier mit zweierlei Maß gemessen?


Aus diesem Grunde schoss mir spontan der obige Satz

"wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen"

durch den Kopf.......

LG
Kirstin
 
Zuletzt bearbeitet:

Hexe Elstereule

Bekanntes Mitglied
Moderator
ja, es wird mit zweierlei Maß gemessen! 4Pfoten, Deutscher Tierschutzbund und andere, insgesamt 11 Verbände machen seit einiger Zeit enormen Druck, um die >Wildtierhaltung< bei Privatpersonen zu verbieten. Sie fordern sogenannte Positivlisten, auf der die zu haltenden Tiere aufgelistet sind, der Rest soll schlichtweg verboten werden. So kann es sein, dass selbst seit Generationen in Menschenhand gezüchtete Tiere nicht mehr gehalten werden dürfen. Also ein Aus für Papagei, Boa; Goldhamster oder andere "Wildtiere", gehalten werden dürfen dann vermutlich nur noch Hund und Katz. Grund: sogenannte Wildtiere würden immer öfter in Tierheimen landen oder wären Gefahrtiere, die Halter würden den Ansprüchen nicht gerecht werden, die Tiere wären eine Gefahr für die heimische Fauna und für die menschliche Gesundheit. Seltsam, wenn ich so durch unsere Tierheime gehe, sehe ich hauptsächlich Hund und Katz dort sitzen und ein paar Kaninchen, Ratten, Mäuse, Wellis und Co- mißhandelt, vergessen, verlassen von den Haltern. Sogenannte Exoten kommen da eher selten vor. Selbst in den Auffangstationen für Exoten gibt es nicht so ein Gedränge wie in einem normalen Tierheim für Hunde und Katzen. Ich denke, die Halter von Serval, Giftschlangen, Marabus und Krokodilen lassen sich an 10 Fingern abzählen. Die Einfuhr von Wildfängen ist in der EU in der Regel sowieso verboten, kommen also nur nachgezogene Tiere mit Papieren infrage. Dass es überall Schmuggelware gibt, kann man selbst mit Verboten nicht vermeiden. Die meisten Exotenhalter, die ich kenne, machen mehr Aufwand mit ihren Tieren als so mancher Katzen- oder Hundehalter, der sein >Haustier< als austauschbares Wegwerfprodukt betrachtet. Wieviele Meerschweinchen und Häschen fristen ein stummes elendes Dasein? Und ich denke, dass in D wesentlich mehr Menschen durch Hunde verletzt werden, denn durch sogenannte Gefahrtiere. Wieviele Rehe werden jährlich durch wildernde Hunde gerissen? Der entkommene Sakerfalke bringt vergleichsweise wenig Gefahr. Hier haben wir mal wieder falschen Aktionismus. Vernünftige Haltevorschriften und Sachkundeverpflichtung würden es auch tun, das sollte für alle Tierhalter gelten, denn auch ein Zwerghäschen leidet unglaublich unter falscher Haltung im Kinderzimmer.

Gerne werden in manchen Stationen auch von Tierschutzvereinen Tiere vor die Pressekamera gezerrt, um Gelder einzutreiben oder Meinungsmache zu propangieren. Eine gute Pressearbeit ist das nicht und geht zulasten der Tiere.

Wir machen auch Fotos: bei der Eingangskontrolle oder tierärztlichen Untersuchung, um das Tier zu dokumentieren oder später, im Gehege, wenn der Vogel selber entscheiden kann, ob er sich lieber verstecken möchte oder neugierig auf dem Ast sitzenbleibt. Oder der Moment des Auswilderns wird festgehalten. Diese Fotos stellen wir der Presse zur Verfügung, das muss reichen. Wenn bei uns die Presse Fotos machen möchte, kann sie das bei unseren zahmen, nichtauswilderbaren Vögeln machen, die freuen sich immer auf Frischfleisch oder auf der Gänsewiese
 

Löwenzahn

Neues Mitglied
Die Anzahl der Tiere im Tierheim als Kriterium als einziges Kriterium zu nehmen, sehe ich kritisch. Man muss nur mal in die Kleinanzeigenportalen schauen, da sieht man schon, wieviele ungewollte Hamster es gibt.
Dass es in Tierheimen wenige Hamster als Kaninchen gibt, stimmt schon, aber da spielen ja einige Faktoren mit rein.
Hamster sind viel "handlicher" in der Unterbringung und haben eine kurze Lebensdauer, da sitzt es manch einer eher aus, Kaninchen sind da schon unbequemer. Diese beiden Fakten führen auch dazu, dass man für Hamster viel leichter Pflegeplätze bei Privaten oder Organisationen findet, als bei Kaninchen. Hamster werden teils sogar von Tierheimen an Organsationen abgegeben. Aufgrund der überschaubaren Lebenserwartung sind sie dann auch leichter zu vermitteln, bei Kaninchen muss man eine Verpflichtung über Jahre einkalkulieren. Hinzu kommen der grössere Platzbedarf, der grössere Zeitaufwand, man muss mit hohe Tierarztkosten rechnen, und nicht zuletzt müssen Kaninchen auch vergesellschaftet werden.
 
Zuletzt bearbeitet:

Gaby

Bekanntes Mitglied
Moderator
Premium User
" Wildtiere"....wer entscheidet was als Wildtier noch gilt oder nicht

als Beispiel...

Wellensittiche,ich weiß schon garnicht mehr wie lange die in Deutschland gehalten werden,seit 1840 in Europa schon

und immer noch werden diese Tiere falsch gehalten (der Informationsfluss ist einfach nicht ausreichend)....entsorgen ist in dem Fall einfach...Fenster auf...
unzählige Klein und Großpapageien werden ausserdem angeboten,
in Kleintieranzeigen ,einschlägigen Zeitungen
 

Tanny

Aktives Mitglied
" Wildtiere"....wer entscheidet was als Wildtier noch gilt oder nicht

als Beispiel...
Ganz unabhängig von irgendwelchen offiziellen Begriffserklärungen ist für mich ganz persönlich:

ein Wildtier - ein Tier, welches in freier Natur vom Menschen unabhängig lebt und überleben kann
ein Haustier - ein Tier, welches in "meinem Haus", also in meiner Obhut lebt, von mir in irgendeiner Form abhängig ist
ein Pflegling: ein Wildtier, welches in Not geraten ist und darum vorübergehend abhängig von mir in meiner Obhut ist, aber mit dem klaren Ziel, es wieder in eine freies, von mir unabhängiges Leben zu entlassen.

Aus meiner heutigen Sicht der Dinge (das war als Kind noch anders - da wusste ich es noch nicht besser), eignen sich als Haustiere alle Tiere, die freiwillig bei mir bleiben - die ich also nicht einsperren oder anbinden oder sonstwie zwingen muss zu bleiben.

Tiere, die ich einsperren/zwingen muss, bei mir zu bleiben, würde ich mir heute nicht mehr als Haustier zulegen, da ich nicht glaube, dass sie mit ihrem Dasein glücklich sind - sonst würden sie ja auch bleiben, wenn man den Käfig auf macht.....

(um nicht missverstanden zu werden: wenn ein Tier, das vorübergehend hilfsbedürftig ist zu seinem eigenen Wohl vorübergehend eingesperrt wird, dann halte ich das durchaus für okay - aber ich kann nicht mehr nachvollziehen, warum man sich quasi als Hobby unbedingt ein Tier halten muss, was man lebenslang quasi einsperren muss, damit es überhaupt bei einem bleibt.....ich hätte an so einem tierischen "Mitbewohner" heute keine Freude mehr)

Das bedeutet für mich auch: es gibt einzelne Tiere einer Art, die wir per Definition als Wildtiere bezeichnen (z.B. bei den Rabenvögeln), die sich aus unterschiedlichsten Gründen selbst entschließen, quasi zum Haustier zu werden - sie könnten gehen, sie verlassen aber "ihren" Menschen nicht.

Andererseits gibt es Arten, die per definition Haustiere sind, wo einzelne Exemplare aber eben nicht beim Menschen leben wollen (Beispiel Katze) und bei der nächsten Gelegenheit entwischen und quasi zum Wildtier werden.
 
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